Parkanlagen

Wenige deutsche Städte sind so üppig in Grün eingebettet und werden durch die harmonische Einheit von landschaftlicher Schönheit, Städtebaukunst und Gartenkunst geprägt wie Dresden. Die in weiten Bögen die Stadt durchziehende Elbe bildet mit den Wiesen und Parks an ihren Ufern die grüne Mittelachse der Stadt und bestimmt das für den Pflanzenwuchs günstige, ziemlich milde und feuchte Klima mit. Die linkselbisch vorherrschenden Lehmböden und rechtselbisch vorherrschenden Sandböden erlauben eine reiche Pflanzenvielfalt. Die Dresdner Gartenkunst und Gartenkultur hat eine lange Tradition. Da bis ins 19. Jahrhundert hinein innerhalb der Stadtmauern der Raum für Gärten nur eng bemessen war, breiteten sich die vom 16. bis 18. Jahrhundert geschaffenen Garten- und Parkanlagen wie ein Kranz um die Stadt herum aus. Erste gärtnerische Anlagen innerhalb Dresdens waren der Klostergarten des Franziskanerklosters und der zum Schloss gehörende „Wurzgarten“ am Taschenberg. Dem Ausbau der Stadtbefestigung in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mussten viele unmittelbar vor den Stadtmauern gelegene, den Bürgern gehörende Nutzgärten weichen, für die weiter außerhalb wieder neue Gärten angelegt wurden. Zu den ersten bedeutenden Gärten vor den Toren gehören der Ende des 16. Jahrhunderts entstandene Herzogin-Garten und der Reisewitzische Garten.

Zwischen den Wallanlagen östlich der Bastion Luna ließ Kurfürst August 1576 einen neuen Schlossgarten anlegen, der als Nutz- und Ziergarten die erste größere höfische Gartenanlage innerhalb Dresdens war und im 18. Jahrhundert zum Orangeriegarten und Festplatz des Zwingers umgestaltet wurde. Die hohe Blüte der Dresdner Gartenkunst setzte nach dem Dreißigjährigen Krieg ein, als in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts so umfangreiche Anlagen, wie der Türkische Garten, der Große Garten und der Lange Garten (Blüherpark), geschaffen wurden. Dafür lieferten bedeutende Architekten, wie Johann Georg Starcke und Johann Friedrich Karcher, die Entwürfe. Der Chronist Anton Weck gibt um 1680 eine Beschreibung von vielen „wohlangebauten Obst- und Lustgärten“, die Dresden umgaben, in denen nicht nur einheimische Pflanzen, sondern auch auswärtige Gewächse wie Feigenbäume, Zitronen, Pomeranzen und Granatenbäume „teils dem menschlichen Leben zu Nutz, teils zu Lust und Ergötzlichkeit“ gediehen. Im 18. Jahrhundert setzte sich diese Entwicklung fort, wobei die Renaissance-Gärten in Barockgärten im französischen Stil umgewandelt wurden. Außerdem entstanden neue, barocke Gartenanlagen. In ihnen verschmolzen Baukunst und Gartengestaltung zu einer Einheit. Die Architekten, wie Pöppelmann, Knöffel, Schwarze und Giesel waren zugleich Gartenkünstler. Unter August dem Starken wurde nach dem Vorbild Venedigs (Canale Grande) die Elbe als festlicher Wasserweg inmitten von Gärten und Schlössern in die Stadtplanung einbezogen. Unter diesem Gesichtspunkt legte man Park und Schloss Pillnitz an, entwarf Pöppelmann seine Schlossbaupläne, entstanden der Palaisgarten am Japanischen Palais sowie Schloss Übigau mit Gartenanlagen. Als nach 1733 die Bedeutung der kurfürstlichen Gärten als Zentrum höfischer Festlichkeiten abnahm, ließen sich hohe Adlige zusammen mit ihren Palais bedeutende Gärten schaffen.

Dazu gehörten die Gärten Brühls in der Friedrichstadt und auf der Brühlschen Terrasse, die Gärten am Palais Vitzthum-Rutowski und am Palais Hoym, der Mosczinska-Garten, der Garten der Sekundogenitur (Blüherpark) und der Garten am Prinz-Max-Palais. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis Anfang des 19. Jahrhunderts kam der dem englischen Parkstil angepasste Landschaftsgarten auf, der - häufig im sentimentalen Zeitgeschmack - zunehmend von Gärtnern geplant und eingerichtet wurde. Die meisten Gartenanlagen wurden dementsprechend umgestaltet und teilweise auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht (z. B. der Türkische Garten und der Große Garten). Auf den Festungswällen, die seit Mitte des 18. Jahrhunderts an militärischer Bedeutung verloren hatten und deren Flächen als Bauplätze vom Landesherrn vergeben wurden, entstanden Gärten wohlhabender Beamter und Adliger (z. B. Garten am Saulschen Haus, Brühlscher Garten, Garten von Friedrich Ludwig Kreyssig). Daher konnten die nach der Entfestigung Anfang des 19. Jahrhunderts auf den zugeschütteten ehemaligen Wallanlagen entstandenen Freiplätze nur teilweise für öffentliche Anlagen verwendet werden (Botanischer Garten, Antonsplatz, Zwinger), und nur der schmale Ring des ehemaligen Stadtgrabens wurde mit einer durchgehenden Ringbepflanzung versehen. In der Dresdner Neustadt schuf man nach der Entfestigung in offener Bauweise ein Villenviertel, das mit damals berühmten Gärten durchsetzt war (Hoffmannseggischer Garten, Garten von Johann Gottlob von Quandt, Villa Rosa). Sehr viele der größeren und kleineren Gartenanlagen fielen dem Wachstum der Stadt im 19. Jahrhundert zum Opfer (z. B. Mosczinska-Garten, Türkischer Garten, Herzogin-Garten, Garten am Prinz-Max-Palais, Elisensruhe). Andererseits nahmen - besonders seit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts - die Bestrebungen zu, Dresdens Charakter als „Stadt im Grünen“ zu wahren. Dabei verschmolz das anfängliche Nebeneinander von Stadt, Gärten und Landschaft immer mehr zu einer Einheit.

Das Wirken der Gesellschaft für Botanik und Gartenbau „Flora“ und die seit Mitte des 19. Jahrhundert regelmäßig stattfindenden Gartenbau-Ausstellungen haben daran einen wesentlichen Anteil, ebenso bedeutende Parkgestalter, wie Terscheck, Bouché und Peter Joseph Lenné. Außer den größten privaten Parkanlagen des 19. Jahrhunderts an den Elbschlössern und auf Königs Weinberg wurden die Bürgerwiese als Parkanlage und aus dem Rest des Blasewitzer Tännichts der Waldpark Blasewitz geschaffen. Außerdem entstanden um die Jahrhundertwende in den Vororten Volksparks und Spielplätze (z. B. Albertpark, Heidepark, Beutlerpark, Volkspark Räcknitz, Volkspark Leutewitz). Bei der Elbuferkorrektur 1869/72 behielt man die Elbwiesen bei (Neustädter Elbuferpromenade um 1930) und pflanzte im großen Stil Bäume an Plätze und Straßen. Um 1925 hatte die Stadtgartenverwaltung knapp 5.000 ha öffentliche Grünanlagen und in 780 Straßen über 56.000 Straßenbäume in 75 Arten zu betreuen (vor dem Zweiten Weltkrieg 68.000 Bäume; 1993: ca. 32.000 Bäume, davon 50 Prozent kurz vor dem Aussterben). Die bauliche Struktur Dresdens bestand aus fünf Siebenteln aufgelockerter, mit Gärten und Freiflächen durchsetzter Bauweise und zwei Siebenteln dicht bebauter, geschlossener Bauweise (vorwiegend Stadtkern). Fast alle Dresdner Parkanlagen erlitten durch die Zerstörung der Stadt im Februar 1945 große Schäden; besonders schlimm wurde der Große Garten getroffen. Nachdem sie in den ersten Nachkriegsjahren teilweise für Ernährungszwecke genutzt worden waren, ging man ab 1950 an den Wiederaufbau der Parkanlagen. Bei der Neuordnung der Flächennutzung des Stadtgebiets setzte man sich das Ziel, ein aus der städtebaulichen Konzeption entwickeltes und über die Stadt verteiltes, zusammenhängendes „Grünnetz“ zu schaffen, das nicht nur öffentliche Parkanlagen, sondern auch Vorgärten, baumbepflanzte Straßen, Wohngärten, Kleingartenanlagen und die Freiflächengestaltung in den Neubaugebieten einbezog. So wurde unter Berücksichtigung weitreichender Sichtachsen eine Vielzahl von Grünverbindungen vom Zentrum in die Außenviertel angelegt, wobei neben der Pflege der historischen Parkanlagen auch neue Anlagen geschaffen wurden (z. B. Touristengärten Prager Straße, Garten der Freundschaft, Alaunplatz, Rhododendrongarten, Anlagen in der Hauptstraße und am Hotel Bellevue). 1988 kamen auf jeden Einwohner 36 m² Wohngrün und 22 m² Kleingarten. Gegenwärtig unterstehen dem 1992 gegründeten Grünflächenamt Dresden rund 800 gärtnerisch und forstwirtschaftlich betreute Einzelprojekte (darunter 30 größere Parkanlagen) auf einer Gesamtfläche von ungefähr 660 ha.

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