Friedrichstadt

Stadtteil links der Elbe, von dieser, der Weißeritz sowie von Cotta, Löbtau und der Bahnlinie Hauptbahnhof - Neustädter Bahnhof begrenzt; 1670 als Vorstadt Ostra (Neustadt Ostra) angelegt, seit 1730 nach Kurfürst Friedrich August II. (damals Kurprinz) benannt, 1835 zu Dresden eingemeindet.

Die Friedrichstadt bildet mit der engen Nachbarschaft von kulturhistorischen Bauten, ausgedehnten Industrie- und Verkehrsanlagen, älteren, stark vernachlässigten Vorstadtwohnvierteln und elbnahen Grünflächen (Ostragehege) ein äußerst uneinheitliches Bild. Die von Kurfürst Johann Georg II. gegründete Vorstadt Ostra konnte sich infolge des Widerstandes der Dresdner Innungen nicht zur angestrebten Handwerkersiedlung entwickeln.

Stattdessen erwarben Hofbeamte und Bürger hier Grundstücke. Im Zeichen des Merkantilismus förderte der Hof das Entstehen von Manufakturen. Johann Daniel Crafft gründete 1678 eine Wollmanufaktur, Baron Blumenthal 1718 die Wachsbleiche an der späteren Wachsbleichstraße und Ernst Christoph von Manteuffel 1720 das Brauhaus an der Bräuergasse. Die kurfürstliche Salpeterhütte an der Schäferstraße wurde 1692 gegründet.

Die spätere Friedrichstraße entwickelte sich zur Hauptstraße des Vorortes. Hier entstanden ab 1736 das Palais Brühl (später Marcolinipalais, Stadtkrankenhaus Friedrichstadt), die Matthäuskirche mit der Gruft von Matthäus Daniel Pöppelmann, der auch an einem Bauplan für die Friedrichstadt beteiligte war. Zeitweise wohnten in der Friedrichstadt u. a. Ernst Julius Hähnel, Ludwig Richter, Johann Andreas Schubert, Richard Wagner und August Röckel.

Mit der Umwandlung des Marcolinipalais zum Stadtkrankenhaus konnte in das 1779 durch den Minister von Hohenthal-Königsbrück gestiftete Amtskrankenhaus ein Altersheim (Hohenthalhaus) einziehen. Der 1730 angelegte Marktplatz erhielt 1877 den Namen Hohenthals. Hier befindet sich das Denkmal für König Anton I. von Ernst Rietschel, das bis etwa 1893 an der Weißeritzstraße stand. Die Institutsgasse und die Seminarstraße erinnern an das in der Friedrichstadt gegründete erste sächsische Lehrerseminar und an das Freimaurerinstitut. Industrie- und Verkehrsbauten veränderten seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Bild des Vorortes und breiteten sich auch auf den Flächen des 1917 ganz aufgelösten Kammergutes Ostra aus.

Nach dem Durchbruch der Wettiner Straße (Schweriner Straße) vom Postplatz zur Schäferstraße 1875 wurde der Berliner Bahnhof mit der Berliner Straße als Zufahrt angelegt. Das Ortsgesetz von 1878 schrieb den Stadtteil als Fabrikbezirk fest. Die Verlegung der Weißeritz nach Cotta 1893 erbrachte Bauland und begünstigte die Errichtung des städtischen Bauhofs an der Löbtauer Straße, der Großmarkthalle (Markthallen), der Zigarettenfabrik Yenidze, der Haltestelle Wettiner Straße (Bahnhof Mitte) und des Kühlhauses. Auf der Hamburger Straße wurde 1884 die Fabrik Seidel & Naumann, im Ostragehege 1895 der Alberthafen, nahe der Weißeritz 1894/95 der Rangierbahnhof Friedrichstadt und der Werkstättenbahnhof (Reichsbahnausbesserungswerk) und am Hafen 1913 die Hafenmühle der Firma Bienert errichtet. An der Bremer Straße war 1851 der evangelische Äußere Matthäusfriedhof und 1875 der Neue Katholische Friedhof entstanden. An dieser Straße errichtete eine Transport- und Lagerhaus-Gesellschaft nach Auflösung des Kammergutes Ostra umfangreiche Lager. Hans Erlwein schuf bis 1910 im Ostragehege den damals modernsten deutschen Vieh- und Schlachthof. Mit der Arbeiterbewegung in der Friedrichstadt sind die Namen von Emerich Ambros und Bruno Siegel im Reichsbahnausbesserungswerk sowie Christian Beham bei Seidel & Naumann, das Auftreten von Ernst Thälmann 1926 im „Kristallpalast“ und der blutige Zwischenfall von 1933 im Keglerheim verbunden.

Die Luftangriffe 1944/45 zerstörten in der Friedrichstadt etwa 440 Gebäude. Wiederaufgebaut bzw. rekonstruiert wurden die Matthäuskirche (1974/78), einige Bürgerhäuser der Friedrichstraße sowie Gebäude im Stadtkrankenhaus. Die kriegsbedingten Baulücken wurden nach 1945 durch den Verfall von Bausubstanz und Abbruch z. T. historischer Straßenzüge weiter vergrößert, sodass der Charakter der alten Friedrichstadt nahezu verlorenging. Erhebliche Mittel erfordert die Beseitigung von Umweltschäden. Geplant sind u. a. die Umgestaltung des Ostrageheges als Freizeitgelände, der Umbau des Bahnhofs Mitte, der Ersatz des Kühlhauses durch einen Gewerbeneubau, der Neubau eines Tanklagers. Für die Friedrichstadt wurde 1993 ein Denkmalpflegeplan entwickelt.

zurück