Großer Garten

größte zusammenhängende Parkanlage der Stadt mit 2 km² nahezu rechteckiger ebener Fläche, einer Länge von 1900m und einer Breite von 1000m bzw. 900m; begrenzt durch die Lennéstraße im Westen, die Stübelallee im Norden, die Karcherallee im Osten und die Tiergartenstraße im Süden; eingeteilt in drei Längsalleen und eine Querallee.

Die Hauptallee bildet die Längsachse, in deren Schnittpunkt mit der Querallee das Palais steht. Schon gegen Ende des 16. Jahrhunderts ließen Hof und Adel Lustgärten vor den Stadtmauern anlegen, in diesem Trend entstand auch der Große Garten durch Ankauf von Feldern Strehlener, Grunaer und Striesener Bauern im kurfürstlichen Auftrag.

 

Geschichtliche Übersicht:

1676:
Beginn mit der Anlage als kurfürstlicher Jagdgarten größten Ausmaßes im Auftrag von Johann Georg II. und Johann Georg III. durch den Gärtner Martin Göttler und Oberlandbaumeister Johann Georg Starcke;

1683:
Beginn mit der Gestaltung als Ebenengarten im streng geometrischen französischen Stil durch Oberlandbaumeister Johann Friedrich Karcher, Fertigstellung des Palais;

1684/94:
Errichtung der 8 Kavaliershäuser durch Starcke als Spiel- und Erfrischungsstätten für die Hofgesellschaft;

1698:
Beseitigung der alten Pirnaischen Landstraße, die durch das Parkgelände hindurchführte, und Anlage einer neuen Straße nach Pirna (Stübelallee);

1715:
Anlage des Palaisteiches;

1716:
Verlegung der Fasanerie vom Ostravorwerk und vom Neudorfer Elbwerder in den Großen Garten;

1718:
Bau einer 2 m hohen Mauer um den Großen Garten zum Schutze der Fasanen (mit 4 Eingängen und Torhäusern für „Personen von Kondition“);

1719:
Anlage des Naturtheaters (Parktheater am Palais), des Hecken-Labyrinths, der Ringrennbahn, der Orangerie, des Venus-Tempels und einer Schießhütte; der Große Garten dient als Veranstaltungsort der prächtigen Vermählungsfeiern des Kurprinzen;

um 1720:
Ausschmückung des Großen Gartens mit zahlreichen Sandstein- und Marmorplastiken (im Laufe der Jahre ca. 1.500 Stück, davon u. a. heute noch erhalten „Die Zeit enthüllt die Wahrheit“ und zwei Zentaurengruppen von Antonio Corradini, „Die Zeit entführt die Schönheit“ von Pietro Balestra sowie vier Herkulesstatuen von Balthasar Permoser);

1730:
Unterbringung der Antikensammlung in vier Kavalierhäusern;

1758:
(November) Fluchtort für ca. 3.000 obdachlose Dresdner aus den durch Brand im Siebenjährigen Krieg zerstörten Vorstädten;

1760:
Kampfgelände im Siebenjährigen Krieg, Zerstörung der Gebäude, Parkanlagen und Figuren sowie „Entwendung“ der Skulpturen durch Friedrich II. für den Potsdamer Park, ab Ende 1760 Wiederherstellung der gesamten Anlage einschließlich eines Geheges für 2.000 Fasanen durch Oberlandbaumeister Julius Heinrich Schwarze;

1813:
Kampfgelände während der Schlacht bei Dresden;

1814:
allmähliche Beseitigung der Kriegsschäden, Abtragung der Mauer und Freigabe des Großen Gartens für die Bevölkerung auf Befehl des russischen Generalgouverneurs von Repnin, Bau der Torhäuser von Gottlob Friedrich Thormeyer, Beginn mit der Umgestaltung in den aufgelockerten englischen Parkstil durch den Hofgärtner Johann Gotthelf Hübler, Anlage des Rasen- und Blumenparterres vor dem Palais anstelle der barocken Spielanlagen;

1815:
Aufgabe der Fasanenzucht, Einrichtung der „Großen Wirtschaft“ im Haus des Fasanenwärters, Anlage einer Obstbaumschule;

1829:
Erneuerung des Palais;

um 1830 ff.:
weitere vorwiegend wirtschaftliche Nutzung des Großen Gartens zu Holzgewinnung, Seidenraupenzucht, Fischzucht, Gartenbau, als Düngerabladeplatz und Laubstreuquelle für Gärtnereien usw., Anlage weiterer Schankstätten, Ausbau der Kavalierhäuser zu Wohnzwecken für Sommergäste;

1834:
Aufstellung der Marmor-Prachtvasen von Corradini;

1861:
Abtretung von 12,8 ha Fläche für die Gründung des Zoologischen Gartens;

1863:
Aufstellung der steinernen Löwen von Christian Gottlieb Kühn an der Querallee;

1873 ff.:
Vergrößerung und Umwandlung des Großen Gartens in einen Volks- und Erholungspark durch Karl Friedrich Bouché, weitere Gestaltung im englischen Parkstil durch bedeutende Erweiterung des Geländes und Neubepflanzung mit einheimischen, wie bisher, aber auch nordamerikanischen, kaukasischen und ostasiatischen Gehölzen, Anlage neuer Wege und Spielplätze;

1874:
Bewilligung eines eigenen Etats für den Großen Garten durch den Landtag;

1881/86:
Umwandlung einer Kiesgrube zum Carolasee;

1887:
Erste internationale Gartenbauausstellung (Gartenbau-Ausstellungen);

1889:
Beginn der Anlage des Botanischen Gartens auf 3 ha des Großen Gartens an der Stübelallee;

1890/94:
Anlage des „Neuteiches“;

1895:
Anlage des Rhododendronhaines, Bau der Gaststätte „Carolaschlößchen“;

1896:
Einweihung des Ausstellungspalastes; um 1900 gibt es über 30 km Wege, auch Radfahrwege;

1926:
Aufstellung des Mosaikbrunnens von Hans Poelzig;

14. Februar 1945:
Abwurf von anglo-amerikanischen Brand- und Sprengbomben auf den Großen Garten, wobei u. a. alle Gebäude zerstört wurden und zahllose aus der brennenden Stadt geflüchtete Menschen den Tod fanden;

1946:
erste Aufräumungsarbeiten und Neugestaltung unter Gartenbauinspektor Kurt Girt, erste Erhaltungsarbeiten am ausgebrannten Palais;

1. Juni 1950:
Beginn der Umgestaltung zum Volks- und Erholungspark, Einweihung der Pioniereisenbahn (Parkeisenbahn);

1953:
Anlage des Sommerblumengartens;

1954/55:
Anlage des Stauden- und des Dahliengartens, Wiederaufbau von 5 Kavalierhäusern, Beginn mit dem Wiederaufbau des Palais, Einrichtung von Kinderspielplätzen; 1955 Einweihung des Puppentheaters „Sonnenhäusel“;

1954/57:
Bau des Freilichttheaters „Junge Garde“;

1969:
Abriss der beiden Torhäuser;

1. Januar 1993:
Übernahme der Trägerschaft durch den Freistaat Sachsen.

Mit seinen in den sechziger und siebziger Jahren entstandenen Sport- und Freizeitzentren und seinem artenreichen Pflanzen- und Vogelbestand ist der Große Garten, der als historische Parkanlage unter Denkmalschutz steht, für die Dresdner Bevölkerung ein Zentrum der Erholung und der aktiven Freizeitgestaltung sowie eine beliebte Stätte für Kulturveranstaltungen und Volksfeste.