Gewandhaus

städtisches Gebäude, das bis ins 19. Jahrhundert hinein vorwiegend Verkaufszwecken diente.

Das älteste, erstmals 1295 als „Kaufhaus“ erwähnte Gewandhaus war ein einfacher, zweigeschossiger Zweckbau an der Nordseite des Altmarkts. Anfangs wurden im unteren Geschoss die in Dresden gewebten Stoffe und im oberen die feineren, fremden Tuche feilgeboten; später befanden sich an ihm noch die Fleisch-, Brot- und Schuhbänke. Da in ihm auch die Ratsgeschäfte erledigt wurden (1380 als Rathaus bezeichnet, Rathäuser), die an Umfang zunahmen, erwarb der Rat 1453 die leerstehende Synagoge am Jüdenhof und richtete sie u. a. für die Jahrmarktstage als Gewandhaus ein (1553/58 Einbau der Fleischbänke). Kurfürst Christian I. gab die Veranlassung für den Bau des sogenannten alten Gewandhauses, das 1591/92 nach Plänen von Paul Buchner zwischen Frauengasse und Jüdenhof am Neumarkt entstand. Das mit breiten Rundbogenportalen versehene Untergeschoss des 120m langen Gebäudes enthielt die Schuh- und Fleischbänke sowie den Ratskeller. In dem mit drei mächtigen Giebeln versehenen Obergeschoss befand sich ein großer Saal, der nicht nur dem Verkauf von Tuchen diente, sondern auch festlichen Veranstaltungen, Theateraufführungen (Neuber, Karoline) und Versammlungen der feudalen Landstände. Durch das preußische Bombardement 1760 zerstört, wurde die Ruine 1791 abgebrochen, da zuvor 1768/ 1770 an der Stelle des 1760 ebenfalls zerstörten Palais Werthern (Palais Kötteritz) nach Plänen von Johann Friedrich Knöbel das neue Gewandhaus zwischen Kreuzstraße und Gewandhausstraße errichtet worden war (heute Ringstraße 1). Das dreigeschossige, mit Mansarddach, Mittelrisalit und Dreiecksgiebel versehene Gebäude von 15 Fenstern Front gilt mit seiner schlichten Lisenenarchitektur als Bindeglied zwischen Rokoko und Klassizismus in Dresden und war der bedeutendste städtische Bau nach dem Siebenjährigen Krieg. Er enthielt im Untergeschoss bis 1893/95 die Fleischbänke und in den oberen Geschossen Verwaltungsräume sowie einen Theatersaal (Nesmüllersches „Zweites Theater“). 1925 wurde das Gewandhaus von Paul Wolf zur Dresdner Stadtbank umgebaut. Beim Bombenangriff 1945 brannte es aus. Nachdem 1956/58 die Fassade gesichert worden war, baute man das Gewandhaus 1964/66 unter Wahrung der historischen äußeren Bauform als Hotel (200 Betten) wieder auf, wobei der Schmuckhof und die Westfassade mit dem Dinglinger-Brunnen neu gestaltet wurden. 1992 kam das Gewandhaus in Privatbesitz und wurde 1997 als Hotel, innen völlig neugestaltet, wiedereröffnet.

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