Gemäldegalerie „Alte Meister“

als Zentrum der Staatlichen Kunstsammlungen geltende Sammlung von ca. 3.000 Gemälden deutscher, niederländischer, flämischer, französischer, italienischer und spanischer Meister des 14. bis 18. Jahrhunderts, die sich im Galeriegebäude am Theaterplatz befinden.

Geschichte

Die weltberühmte Dresdner Gemäldegalerie, deren kunsthistorische Bedeutung zuerst von Johann Joachim Winckelmann erkannt worden war, hat ebenso wie die meisten Dresdner Sammlungen ihren Ursprung in der kurfürstlichen Kunstkammer. Schon seit dem 16. Jahrhundert befanden sich dort bedeutende Gemälde, u. a. von Lucas Cranach dem Älteren, Dürer und Rubens.

Die eigentliche, zielgerichtete Sammeltätigkeit, die der Gemäldegalerie zur Weltgeltung verhalf, erfolgte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch die Kurfürsten Friedrich August I. und Friedrich August II.

Aus dem absolutistischen Selbstgefühl und Repräsentationsbedürfnis der Fürsten heraus, „mit Glanz den Gesandten und anderen ansehnlichen Fremden recht in die Augen zu leuchten“, wurden mit erstaunlichem Kunstverstand und ausnahmslos auf friedlichem Wege vor allem Bilder der Hochrenaissance, des Manierismus und des Barocks in größeren Mengen erworben. Im Jahre 1700 wurden bereits 342 Gemälde in die Kunstkammer eingegliedert. Zu den bedeutendsten Ankäufen unter Friedrich August Il. gehörten die 268 Bilder der Wallensteinschen Sammlung aus Dux (1741 für 22.000 Gulden erworben), ca. 200 niederländische Bilder aus Amsterdam und Den Haag (1741/42), 69 Bilder aus der Kaiserlichen Galerie in Prag (1749 für 50.000 Taler erworben) und vor allem die 100 Bilder aus der Sammlung des Herzogs Francesco III. von Modena (1746 für 100.000 Zechinen erworben), zu denen weltbekannte Gemälde von Holbein, Rubens, Tintoretto, Tizian, Veronese, Velaquez und Correggio nach Dresden kamen. 1754 gelang der Ankauf der „Sixtinischen Madonna“. Bedeutende Kunstkenner, Künstler, Händler und Diplomaten waren in kurfürstlichem Auftrag in ganz Europa für den Erwerb der Bilder tätig gewesen.

Zu ihnen gehörten Wolf Caspar von Klengel, Raymond Leplat, die Galerie-Inspektoren Johann Georg Riedel (1691-1755) und Pietro Guarienti (um 1700-1753), Francesco Algarotti und Carl Heinrich v. Heinecken.

Im Jahre 1722, das als Gründungsjahr der Gemäldegalerie gilt, ordnete Friedrich August l. die vollständige Inventarisation aller Bilder an, die nach Abschluss im Jahre 1728 3.592 wichtige und weniger wichtige „Schildereyen“ erfasste. Bereits 1707 waren der Kunstkammer zur Ausstattung des Schlosses nach dem Brand von 1701 614 Gemälde entnommen und vorwiegend im Redoutenhaus und ab 1718 im eigens eingerichteten Galeriesaal des Residenzschlosses ausgestellt worden. Ab 1725/26 hingen die meisten Gemälde im Riesensaal und in angrenzenden Schlossräumen, wurden jedoch auf Veranlassung von Friedrich August Il. ab 1740 zunehmend in den Obergeschossen des ehemaligen Stallgebäudes untergebracht, das von 1744/46 durch Johann Christoph Knöffel zur „Galerie royale“ umgebaut wurde (Johanneum). Zur gleichen Zeit wurden die Bilder einheitlich gerahmt.

Die bis auf ca. 4.700 Gemälde angewachsene Sammlung war während des Siebenjährigen Krieges auf dem Königstein sichergestellt worden. Ende des 18. und im 19. Jahrhundert folgten Aussonderungen von weniger bedeutend erachteten Bildern und Zuwächse aus königlichem Privatbesitz sowie durch Ankäufe besonders italienischer und spanischer Meister. Die progressiven bürgerlichen Reformen des Ministers Bernhard von Lindenau im Museums- und Sammlungswesen bewirkten 1836 die Bildung einer Galeriekommission (befasste sich u. a. mit Konservierungs- und Restaurierungsproblemen), 1839 den Erlass einer großzügigeren Besucherordnung (bereits seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde privilegierten Personen eingeschränkt Zugang gewährt) sowie auch Bemühungen um einen geräumigeren Neubau, der 1855 bezogen werden konnte. Mit Karl Woermann (1844-1933) und Hans Posse (1879 bis 1942) wurden 1882 bzw. 1910 erstmals Fachwissenschaftler mit der Leitung der Gemäldegalerie betraut. Sie sorgten u. a. für die Herausgabe wissenschaftlicher Kataloge, für eine aufgelockerte Hängung der Bilder und die Umorganisierung der Gemäldegalerie nach 1918 (Gemäldegalerie Neue Meister).

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden 1939 die Bilder zunächst im eigenen Hause deponiert, von 1942 an in 45 Rittergüter und Schlösser Sachsens ausgelagert und teilweise zu Kriegsende von östlich der Elbe gelegenen Orten in neue, unzugängliche Unterkünfte gebracht.

1945 wurden die bedeutendsten Werke von der „Trophäenkommission“ der Roten Armee beschlagnahmt und in Museen von Moskau, Kiew und St. Petersburg untergebracht. 154 Gemälde verbrannten am 13./14. Februar 1945 in Dresden in einem abgestellten Möbelwagen, und 42 Bilder verbrannten im Schloss. Weitere 507 Bilder wurden noch 1963 als vermisst nachgewiesen. Ab 1946 wurde die deutsche Abteilung mit den Beständen der Gemäldegalerie Neue Meister im neu gegründeten „Zentralmuseum im Bundesland Sachsen“ im Schloss Pillnitz gezeigt. 1955 erfolgte die Rückgabe von 1.240 in der Sowjetunion aufbewahrten Gemälden, von denen 380 seit 3. Juni 1956 (anlässlich der 750-Jahr-Feier Dresdens) im wiederaufgebauten Ost- und Mittelteil des Galeriegebäudes gezeigt wurden. Weitere 240 Bilder kamen hinzu, als am 31. Oktober 1960 zur 400-Jahr-Feier der Kunstsammlungen das Gebäude völlig wiederhergestellt war.

Seit 1956 ist die Gemäldegalerie wieder eine selbständige museale Institution innerhalb der staatlichen Kunstsammlungen.

Gebäude

Ein eigener Museumsbau für die kurfürstlichen Sammlungen, der auf Veranlassung Augusts des Starken um 1730 von Longuelune als architektonischer Abschluss des Zwingers zur Elbe hin entworfen wurde, kam nicht zur Ausführung. Erst mit dem von Gottfried Semper entworfenen Museumsgebäude, in dem im Jahre 1855 2.200 Bilder der Gemäldegalerie untergebracht werden konnten, wurde das Projekt verwirklicht. 1847 begonnen, wurde das Gebäude nach Sempers Flucht 1855 von Bernhard Krüger (1821-1881) und Moritz Haenel mit einem Kostenaufwand von 473.388 Talern vollendet (mit Abweichungen von Sempers Plänen, z. B. verringerte Kuppelhöhe). Der zweigeschossige, in Gestalt eines Palastes der italienischen Hochrenaissance entworfene Sandsteinbau mit Bogenfenstern, dreiteiligem Portikus mit Kuppelbekrönung (als Gegenstück zum Kronentor des Zwingers) und einer Balustrade mit Plattform über dem Obergeschoss schließt die Nordseite des Zwingers und bildet die Südseite des Theaterplatzes. Er ist 127 m lang, 24 m breit und 24 m hoch. Der plastische Schmuck wurde von Ernst Rietschel, Ernst Julius Hähnel und Johannes Schilling geschaffen. Das Gebäude wurde beim Bombenangriff im Februar 1945 zerstört und von 1955 bis 1960 mit einem Kostenaufwand von 7,6 Millionen Mark wiederaufgebaut. Man hatte über 30 Millionen Besucher gezählt, bis die Gemäldegalerie wegen gravierender baulicher Mängel am 16. Februar 1988 geschlossen werden musste.

Die nachfolgende Rekonstruktion bis zur Wiedereröffnung am 5. Dezember 1992 erfolgte nach modernen technischen und konservatorischen Anforderungen eines auf Massenbesuch eingestellten Museums (z. B. Unterbringung technischer Anlagen in einem gesonderten Unterflurbauwerk). Gleichzeitig legte man Wert auf die Wiedergewinnung ursprünglicher Architektur- und Gestaltungsformen, die beim Wiederaufbau 1955/60 vereinfacht oder weggelassen worden waren. So sind mit der originalen bildkünstlerischen Ausstattung der Innenräume die ursprüngliche Gestalt der Eingangshalle, des Treppenhauses, der Kuppel und des Deutschen Saales wiedererstanden.

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