rechtselbischer Stadtteil, 1908 als erste deutsche Gartenstadtsiedlung gegründet und nach dem benachbarten Flurteil Heller benannt, 1919 mit dem Bauerndorf Rähnitz zu Rähnitz-Hellerau vereinigt, der Doppelort (seit 1938 Hellerau) 1950 mit ca. 5.900 Einwohnern zu Dresden eingemeindet.
Hellerau verdankt sein Entstehen in erster Linie dem Tischler Karl Schmidt, der den Gedanken der Erneuerung der deutschen kunstgewerblichen Produktion mit dem einer Werkgemeinschaft verband. Schmidt stand gleich anderen Mitbegründern des Deutschen Werkbundes den Ideen des nationalliberalen Politikers Friedrich Naumann (1860-1919) nahe und war mit Kunstgewerblern und Architekten wie Oswin Hempel, Fritz Schuhmacher und Theodor Fischer an der 3. Deutschen Kunstgewerbeausstellung in Dresden beteiligt. Er kaufte von 73 Grundstücksbesitzern in Klotzsche und Rähnitz 130 ha Land, gründete 1908 die Gartenstadtgesellschaft GmbH und zur Verwertung und Vermietung die Baugenossenschaft Hellerau. 1909 wurde mit dem Bau der Deutschen Werkstätten Hellerau am Moritzburger Weg und der ersten Kleinhäuser „Am grünen Zipfel“ begonnen. Die Bebauungskonzeption stammte von Richard Riemerschmid, der eine baukünstlerisch ausgereifte, höchsten Ansprüchen an die Arbeitsbedingungen entsprechende Fabrikanlage mit einer modernen Gartenstadtsiedlung verband.
Er fügte die bereits vorhandene „Waldschänke“ 1910 in die Siedlung ein und schuf neben den Häusern Am Grünen Zipfel weitere Am Hellerrand, Am Talkenberg, Hirtenweg, Karl-Liebknecht-Straße, Kurzer Weg, Moritzburger Weg und Ruscheweg sowie die Südwestseite des Marktes. Der Architekt Hermann Muthesius (geboren 20.4.1861 Großneuhausen/Thüringen, gestorben 26.10.1927 Berlin) errichtete Gebäude Am Dorffrieden, Beim Gräbchen, Auf dem Sande und An der Winkelwiese. Mit eigener Architekturauffassung war Heinrich Tessenow an Einzelhäusern u. a. Am Schänkenberg und Heideweg beteiligt; sein Hauptwerk ist das Festspielhaus, für das Adolphe Appia den Festsaal gestaltete. Wolf Dohrn begründete den Ruf Helleraus als fortschrittliches Zentrum europäischen Kulturlebens. Er holte den Tanzpädagogen Emile Jaques-Dalcroze nach Hellerau, der im Festspielhaus seine „Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus“ eröffnete. Dohrn war auch Sekretär des Deutschen Werkbundes, dessen Nachfolge 1910 Alphons Paquet (1881-1914) antrat. 1912/30 war Jakob Hegner in Hellerau ansässig, der sich mit seinem Verlag um die Verbreitung moderner französischer Literatur verdient machte. Zur Erstaufführung von Paul Claudels „Mariä Verkündigung“ 1913 im Festspielhaus fanden sich Gerhart Hauptmann, Oskar Kokoschka, Rainer Maria Rilke, Franz Werfel, George Bernhard Shaw und andere Dichter ein. In Hellerau wohnten die Publizisten und Schriftsteller Hugo Zehder (1882-1962), Camill Hoffmann (1878-1944), Emil Strauss (1866-1960) und Paul Adler (1878-1946). Zu den Gästen Helleraus zählten Theodor Däubler, Stefan Zweig und Franz Kafka. 1910 siedelte der Kunsthandwerker Georg Mendelssohn nach Hellerau über. Dessen Sohn, der Schriftsteller Peter de Mendelssohn (1908-1982), verließ Hellerau 1926. Das kulturelle Leben Helleraus wurde durch den Ersten Weltkrieg weitgehend abgebrochen.
Die Gartenstadt umfasste vor dem Krieg 387 Häuser mit ca. 1.900 Einwohnern. Der Architekt Curt Frick (1884 bis 1963) schuf neben Häusern Am Schützenfeld und an der Hendrichstraße 1913/14 die Volksschule (84. Schule), die in den zwanziger Jahren als Versuchsschule bekannt wurde. Eine Höhere Schule wurde 1913 am Moritzburger Weg gegründet. Finanzielle Schwierigkeiten in der Inflationszeit zwangen die Baugesellschaft 1923, 336 Kleinhäuser in Privathand zu übergeben. Der Architekt Lüdecke errichtete 1922/24 die 11 Kleinbauten des sogenannten D-Zuges und das Rathaus. Rudolf Kolbe vollendete die Bebauung des Marktes 1932 abweichend von den Entwürfen Riemerschmids und schloss damit den zweiten Bauabschnitt Helleraus ab. 1937 wurden noch 28 Volkswohnungen am Pfarrlehn errichtet.
Trotz der verschiedenen Bauabschnitte blieb die einheitliche Grundkonzeption gewahrt. Das gilt auch für die nach 1950 erbauten, „Neu-Dessau“ genannten Häuser der Flugzeugwerke.
Die 1913 nach Hellerau eröffnete Straßenbahn wurde 1938 bis Rähnitz verlängert.
In Hellerau gründete Bruno Tanzmann (1877-1939) 1919 die Deutsche Bauernhochschulbewegung, die sich ab 1924 mit völkisch-chauvinistischen Jugendbünden zur sogenannten Artamanenbewegung vereinigte.
Das Festspielhaus sah 1932 noch eine glanzvolle Aufführung von Glucks „Iphigenie in Aulis“ unter Fritz Busch.
Es wurde 1937 in eine Kaserne verwandelt, 1945/92 von sowjetischen Truppen genutzt und in dieser Zeit sowohl stilfremd umgebaut als auch dem Verfall preisgegeben. Die Gartenstadtgesellschaft verfügte nach 1945 noch über ca. 200 Wohnungen. Die Gesamtanlage steht unter Denkmalschutz.