Tanz- und Musikpädagoge, geboren 6.7.1865 Wien, gestorben 1.7.1950 Genf.
Nach musikalischer Ausbildung in Genf, Paris und Wien war Jaques-Dalcroze am Genfer Konservatorium als Pädagoge, Schriftsteller und Komponist tätig. Bei der künstlerischen Erziehung junger Menschen maß er der Rhythmik besondere Bedeutung bei, die er zu einer „sozialen Institution“ erheben wollte. Mit dem Schweizer Regisseur und Bühnengestalter Adolphe Appia (1862-1928) kam er 1910 auf Anregung von Wolf Dohrn zur Errichtung einer Tanzschule nach Hellerau. 1911/12 wurde von Heinrich Tessenow der Komplex dieser Schule mit dem zentralen Festspielhaus Hellerau und anschließenden Wohnhäusern für Lehrer und Studierende errichtet. 1911/15 war die „Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus Émile Jaques-Dalcroze“ ein Mittelpunkt der bürgerlichen Lebensreformbewegung; sie gab wesentliche Impulse für die Entwicklung der rhythmischen Gymnastik sowie für den Kunsttanz und trug zum Ruf Helleraus als Kulturzentrum bei. Herausragende künstlerische Ereignisse waren die Schulfeste von 1912 und 1913.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges blieb Jaques-Dalcroze in Genf und gründete dort 1915 das „Institut Jaques-Dalcroze“, das er bis zu seinem Tode leitete. Die Hellerauer Bildungsanstalt, der 1914 etwa 500 Schüler aus 14 Ländern angehörten, bestand nach kurzer Unterbrechung als „Neue Schule für angewandten Rhythmus“ weiter und siedelte 1925 nach Schloss Laxenburg bei Wien über.