Gasversorgung

Dresden war die erste deutsche Stadt mit Gasbeleuchtung aus einheimischen Anlagen. Nach erfolglosen Versuchen, u. a. durch den Freiberger Professor Wilhelm August Lampadius für eine Gasbeleuchtung der Elbbrücke, führte Rudolf Sigismund Blochmann 1825 im Schloss erstmals die neue Lichtquelle vor (originaler Leuchter und Kupferkessel im Staatlichen Mathematisch-Physikalischen Salon). Blochmanns „Gasbereitungsanstalt“ auf Steinkohlebasis am Zwingerwall speiste am 23. April 1828 erstmals 36 Gaskandelaber auf dem Theaterplatz. 1831 erhielt das Hotel de Saxe Gasbeleuchtung. Das entstehende Rohrnetz bildete das erste unterirdische Versorgungssystem der Stadt.

1839 wurde die Gasanstalt Altstadt an der Stiftsstraße eröffnet. Sie nahm 1843 einen Gasometer für die Versorgung der Neustadt auf der Glacisstraße in Betrieb. 1843 schloss die Anstalt auf dem Zwingerwall mit Ausnahme eines Gasbehälters für die Beleuchtung des Opernhauses. 1865 entstand die Gasanstalt Lößnitzstraße in Neustadt, die schon wenige Jahre später gemeinsam mit dem Altstädter Werk über 2.700 Straßenflammen und 33.700 Flammen privater Abnehmer versorgte.

Trotz des Aufkommens von Petroleumlampen stieg der Absatz von Gas dank zahlreicher Fabrikgründungen, verbesserter Gasmotoren und der von Friedrich Siemens entwickelten Regenerativfeuerung rasch an. Die Stadt finanzierte aus den Einnahmen der Gaserzeugung u. a. den Bau der König-Johann-Straße.

1881 entstand die Gasanstalt Reick, die nach Schließung der Werke Stiftsstraße (1895) und Lößnitzstraße (1923) allein die Großstadt versorgte. Oberbürgermeister Gustav Otto Beutler betrieb erfolgreich die Vereinigung der Gas- mit der aufkommenden Elektrizitätsversorgung in städtischer Hand.

Einzelne Vororte, aber auch Fabriken besaßen eigene Gasanstalten, so Villeroy & Boch (etwa 1860/1919), Trachau (1900/22), Niedersedlitz (1902/24), Klotzsche (1905/50) und der Gemeindeverband Bannewitz in Mockritz (1907/22). Gottlieb Traugott Bienert versorgte mit seiner Gasanstalt an der Tharandter Straße ab 1874 Löbtau und Plauen (1903 städtisch, 1920 stillgelegt).

Das Rohrnetz wurde 1945 durch Bomben zu einem Drittel zerstört und ab Mai 1945 vordringlich instandgesetzt. Die Gaserzeugung in Reick wurde 1957/58 mit der DDR-Ferngasversorgung aus den Braunkohlekombinaten gekoppelt und 1973 eingestellt. Seitdem wurde Dresden mit Ferngas aus Braunkohle und Erdgas versorgt, das in jüngster Zeit durch reines Erdgas ersetzt wird. Im Gas- und Dampfturbinenkraftwerk Nossener Brücke bildet Erdgas nunmehr auch die primäre Energiequelle für die Strom- und Fernwärmeversorgung Dresdens.

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