Frauenkirche

Frauenkirche: älteste Pfarrkirche Dresdens, bis zum Abbruch der mittelalterlichen Kirche 1727 bedeutende Begräbnisstätte der Stadt, Neubau George Bährs 1726/43 als Höhepunkt barocken protestantischen Kirchenbaus; 1945 zerstört, seit 1990 international beachteter Wiederaufbau eingeleitet.

 

1. Frauenkirche bis 1727

Die Kirche Zu Unserer Lieben Frauen wurde im 11. Jahrhundert im Bereich des Neumarktes gegründet, jedoch erst 1366 urkundlich erwähnt. Sie war geistlicher Mittelpunkt der damals sorbischen Bewohner des Dresdner Elbtals und Sitz des Archidiakons des Gaues Nisan im Bistum Meißen. Ihr Kirchspiel erweiterte sich auf 26 Dörfer. Bis zur Stadterweiterung 1547 lag sie außerhalb der Stadtmauern vor dem Frauentor inmitten der Fischersiedlung. Bis zur Einführung der Reformation 1539 war sie einzige Pfarrkirche der Stadt, verlor diese Rolle dann an die Kreuzkirche, wurde jedoch ab 1559 wieder für nunmehr protestantische Gottesdienste genutzt. Als wichtigste Begräbniskirche war sie von dem 1724 aufgelösten Frauenkirchhof umgeben. Auf diesem und in der Kirche selbst fanden u. a. Paul Buchner, Hieronymus Emser, Nikolaus Krell, Heinrich Schütz, Melchior Trost, Caspar Voigt von Wierandt und Mitglieder der Bildhauerfamilie Walther die letzte Ruhe. Die erste Frauenkirche besaß ein dreischiffiges romanisches Langhaus mit gotischem Choranbau (von 1477). Der Altar Christoph Walthers von 1584 gelangte über die Annenkirche in die Matthäuskirche, die Tafelbilder Heinrich Gödings von 1606 über die Sophienkirche in das Stadtmuseum.

Nach dem letzten Gottesdienst am 9. Februar 1727 wurde die baufällige und zu klein gewordene Kirche abgerissen.

 

2. Bährs barocke Frauenkirche 1726 bis 1945

1722 überreichte Ratszimmermeister George Bähr dem Rat zu Dresden den ersten Entwurf für die neue Kirche. In deren endgültige Gestalt flossen weitere Entwürfe Bährs, ein Gegenentwurf von Johann Christoph Knöffel sowie die Auflagen und Anregungen des Oberlandbauamtes, des Gouverneurs Christoph August von Wackerbarth und Augusts des Starken ein. Die so entstandene Stadtkirche der protestantischen Bürgerschaft bereicherte und krönte die vom katholischen Landesherrn inspirierten anderen Prachtbauten.

Unmittelbar neben der alten Kirche erfolgte am 26. August 1726 im Beisein von Valentin Ernst Löscher die Grundsteinlegung. Unter Leitung Bährs übernahm Johann Gottfried Fehre die Bauausführung, die bis 1729 bis zum Hauptgesims gedieh. Am 28. Februar 1734 wurde die noch unvollendete Kirche geweiht. Bedenken beim Oberlandbauamt, bei Gaëtano Chiaveri u. a. löste Bährs Idee aus, die aus Holz geplante durch eine Steinkuppel zu ersetzen. Nach Bährs Tod krönten Fehre und Bährs Schüler Johann Georg Schmidt die Sandsteinkuppel durch eine steinerne Laterne mit barocker Haube, vergoldeter Kugel und Kreuz statt des früher geplanten Obelisken. Am 27. Mai 1743 wurde der Turmknopf auf die 95 m hohe Außenkuppel gesetzt. Mit der konkav geschwungenen, glockenförmigen Kuppel schuf Bähr ein Novum in der Baukunst und eine bedeutende ingenieurtechnische Leistung des 18. Jahrhunderts. Die später so genannte „steinerne Glocke“ erhielt eine Innenkuppel und vier Emporen, deren untere 48 Betstübchen besaß. Die Emporen waren durch Turmtreppen, die Plätze im Schiff durch drei Eingänge erreichbar. Die Kirche verfügte über 3.500 Sitzplätze. Durch die vorgelagerten Ecktürme erhielt der Zentralbau einen quadratischen Grundriss. Johann Christian Feige schuf die barocke Ausstattung des Altarraums, die Kanzel und den Orgelprospekt. Gottfried Silbermann vollendete 1736 die Orgel, an der am 1. Dezember 1736 Johann Sebastian Bach spielte. Die Ausmalung der Kuppel stammte von Johann Baptist Grone. Im Untergeschoss schuf George Bähr die Gewölbe (Katakomben), in denen bis 1819 244 Beisetzungen erfolgten. 1854 wurden die sterblichen Überreste Bährs und das zugehörige, von Feige d. Ä. geschaffene Grabmal vom alten Johannisfriedhof in die Katakomben überführt.

Die „steinerne Glocke“ krönte über zwei Jahrhunderte die Dresdner Stadtsilhouette und wurde von vielen Malern unterschiedlichster Handschrift im Bild festgehalten, so von Bernardo Bellotto, Johann Christian Clausen Dahl, Gotthardt Kuehl und Fritz Beckert (1877-1962). Ihre erste bekannte Darstellung (1735) stammt von Christian Wilhelm Ernst Dietrich. Ihre Rolle im Dresdner Musikleben verdankt die Kirche vor allem ihrer Silbermannorgel, der Raumgröße und Akustik. In der Kuppel fand 1843 die Uraufführung von Richard Wagners „Liebesmahl der Apostel“ mit 1.200 Sängern statt. Kurt Striegler leitete hier 1920 die Dresdner Erstaufführung von Gustav Mahlers 8. Sinfonie mit Elisabeth Rethberg und Richard Tauber. Jehmlich-Orgelbau schuf 1937 zwei kleinere, mit der Silbermannorgel verbundene Instrumente.

Erst 1878 wurde die Frauenkirche, bis dahin der Kreuzkirche unterstellt, selbständige Pfarrkirche für die östliche Altstadt und westliche Pirnaer Vorstadt sowie Sitz der Superintendentur Dresden-Land. Der Beschießung im Siebenjährigen Krieg widerstand die Kuppel unversehrt.

Zementausbesserungen 1887/92 und 1904/05 erwiesen sich als wenig glücklich. Rissbildung erzwang 1924 die baupolizeiliche Schließung; ihr folgten bis 1932 Sicherungsarbeiten unter Leitung von Paul Wolf. Man erkannte, dass die von Bähr wohl als „tragende Glocke“ konzipierte Kuppel ihre Last im Wesentlichen auf die acht Innenpfeiler übertrug, deren Fundamente Setzungen aufwiesen.

Georg Rüth (1880-1945) erhöhte 1938/42 die statische Sicherheit der Kuppel u. a. durch Ringanker.

Die Katakomben wurden 1872 zugemauert.

1924 wieder geöffnet, dienten sie vor der Zerstörung der Lagerung brennbaren Filmmaterials und wurden nach 1945 mehrmals aufgebrochen und verwüstet.

 

3. Zerstörung und Wiederaufbau

Am10. Februar 1945 fand die letzte musikalische Vesper in der unzerstörten Kirche statt. Die Kuppel widerstand zunächst den Luftangriffen des 13./14. Februar inmitten der brennenden Umgebung, sank jedoch durch die Hitzeeinwirkung am Vormittag des 15. Februar 1945 in sich zusammen. Ersten Begehungen der Ruine 1945 folgte 1948/49 die Bergung wiederverwendbarer Werksteine, die jedoch 1959 z. T. zerstört wurden. Arno Kiesling (1889-1962) schuf mit einem umfangreichen Zeichenwerk Grundlagen für eine spätere Rekonstruktion. Der im Trümmerberg befindliche Altar von Feige wurde 1951 mit einer Schutzwand versehen. Die Stadtbehörden erklärten die Ruine 1966 zum Mahnmal und versahen sie 1967 am Treppenturm E mit einer Gedenktafel. In den achtziger Jahren war die Ruine an den Jahrestagen der Zerstörung Schauplatz sowohl staatlich verordneter Veranstaltungen als auch von Mahnwachen der oppositionellen Friedensbewegung. Internationale Entwurfswettbewerbe für den Neumarkt ergaben ab 1981 Vorschläge für den Wiederaufbau des Wahrzeichens Dresdens. 1988 begannen Sicherungsarbeiten an der Ruine. Der „Ruf aus Dresden“ einer Bürgerinitiative vom 13. Februar 1990 bereitete die Gründung des Förderkreises für den Wiederaufbau unter Vorsitz von Ludwig Güttler am 14. März 1990 und der Stiftung „Wiederaufbau Frauenkirche Dresden e. V.“ am 23. November 1991 vor. Die Enttrümmerung und Inventarisierung wiederverwendbarer Sandsteingrund- und -werkstücke wurde bis April 1994 abgeschlossen. Dabei wurden Altar, das Turmkreuz und andere Bau- und Ausstattungsteile aus ihrem nahezu fünfzigjährigen Trümmer“grab“ geborgen.

Die „archäologische Rekonstruktion“ umfasst eine originalgetreue Wiederherstellung der inneren und äußeren Gestalt und des konstruktiven Systems, die Einbeziehung erhaltener Mauerwerksteile, Keller und Grundmauern und die Einfügung von etwa 10.000 geborgenen Werksteinen in den Bau. Gemäß Stiftungssatzung wird die nach der Jahrtausendwende wiedererstandene Kirche primär gottesdienstlich sowie musikalisch genutzt. Festliche Weihe der Unterkirche am 21.8.1996.

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