Gittersee

linkselbischer Stadtteil, das Platzdorf 1349 als Geterssin (altsorbisch so viel wie Besitz eines Jutros) erwähnt, wurde 1945 zu Dresden eingemeindet. 1352 verkauften Nickel und Ulrich von Maltitz den Bürgern zu Dresden „vier hufen und zween garten“. Diesen Besitz sowie einige andere Dörfer unterstellte der Rat zu Dresden dem Brückenamt. Nach dem großen Dresdner Stadtbrand von 1491 löste man die Frondienste der Bauern von Gittersee durch Geldzahlungen ab, da die Stadt Dresden Mittel zum Wiederaufbau benötigte. Im 16. Jahrhundert wurde der Obstbau im Ort durch den Pfarrer Martin Künzelmann gefördert, der in Gittersee den größten Hof besaß. Die Folgen des Siebenjährigen Krieges trafen auch Gittersee schwer. 1759 legten die Österreicher am Windberg ein Lager an und schlugen dafür in Gittersee 2.500 Obstbäume für Schanzzwecke um. 1789 kaufte Johann Gottfried Ulbricht im Tale der Weißeritz die „Gitterseer Wiese“ und errichtete einen Eisenhammer (Eisenhammer Dölzschen) sowie 1795 die Hüttenschenke. 1809 baute man erstmalig in Nieder- Gittersee Steinkohle ab. Der 1837 entstandene Steinkohlenbauverein beschäftigte 1840 183 Bergleute und betrieb u. a. den Meiselschacht (Meiselschachtweg / Karlsruher Straße), den Moritzschacht (Cornelius-Gurlitt-Straße 18) und den Emmaschacht (Karl-Stein-Straße 10/11).

Um 1860 wurden die Gruben stillgelegt.

Nach 1945 wurde der Steinkohlenabbau wieder aufgenommen und ein neuer Schacht (VEB Steinkohlenwerk „Willy Agatz“, später Uranbergbau der Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft Wismut, 1990 eingestellt) abgeteuft.

1857 erbaute man die Windbergbahn, die auch durch die Gitterseer Flur führte. Durch den Bergbau eng mit dem heutigen Freital verbunden, geriet Gittersee Mitte des 19. Jahrhunderts in den Einflussbereich der Großstadt Dresden. Kirchlich gehörte Gittersee nach Döhlen, 1897 wurde es selbst Parochie.

Die Friedhofskapelle benutzte man gleichzeitig als Kirche. 1842 besuchten die Gitterseer Kinder die Coschützer Schule, bis der Ort sich 1897 ein eigenes Schulgebäude errichtete. Um 1910 entstand in Gittersee eine Nagelfabrik und eine Wellpappenfabrik. Eine Wohnsiedlung entstand um 1932 am Birkigter Hang. Die Deutsche Volksoper, ein Vorläufer der Landesbühnen Sachsen, spielte 1946/50 im Gasthof Karlsruher Straße 83.

zurück