ehemalige stadtbekannte Personen, die durch äußerliche oder charakterliche Eigenheiten im Dresdner Volksleben besonders in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auffielen und Anlass zu vielen Anekdoten gaben. Sie traten vorwiegend in Gaststätten, bei Märkten (Striezelmarkt) oder größeren Volksfesten (Vogelwiese) in Erscheinung. Genauere Namen und Lebensdaten von ihnen sind im allgemeinen unbekannt. Den höheren Gesellschaftskreisen gehörten der russische Fürst Putjatin und der „Rauhgraf“ August Joseph von Wackerbarth (1770-1850) an.
Aus den unteren Bevölkerungsschichten kamen die meisten der Altdresdner Originale. Dazu gehörte der gelernte Uhrmacher Johann Karl Gottfried Rehhahn (geboren 15.4.1793 Jessen, gestorben 12.8.1865 Dresden), der wohl am bekanntesten geworden ist. Er wohnte in der Schäferstraße, zog jedoch meistens - äußerlich recht ungepflegt - als fliegender Händler, volkstümlicher Liedersänger, Traumdeuter und Wahrsager herum, wobei er selbstgeschmiedete Verse darbot. Besonders bei Kindern beliebt war der ob seiner Gutmütigkeit verarmte witzige Buchhändler Helmert, der seinen ambulanten Buchstand am Neumarkt hatte. Als „Kinderschreck“ dagegen trat der eingefleischte Junggeselle Peter „Groll“ (eigentlich Herrmann) auf, ein ehemaliger Postschaffner, der besonders auffällige Kleidung trug. Weiterhin zählte zu den Altdresdner Originalen die „Vogel-Marlise“ (gestorben 1832), die in einer Bretterbude am Neumarkt allerlei Kleinsäuger sowie Singvögel verhökerte und wegen ihres flotten Mundwerks bekannt war. Am Altmarkt hatte die „Eierhanne“ ihren Stand mit gekochten Eiern, die sie abends auch in den Lokalen verkaufte, wobei sie häufig mit Liedern zu fröhlicher Stimmung beitrug. Ein Sänger der Schänken und Stammlokale war Franz Timmler, im Volksmund nach seinem bekanntesten Lied „Mei Sechser“ genannt. Beliebt war auch die „Witwe Magnus“, die nach dem Tod ihres Mannes ein primitives Wandertheater betrieb und Freitisch für arme Schauspieler an Feiertagen hielt. Die Kellerkneipe auf der Webergasse 6 wurde wegen ihres Wirtes, des „Vater Kohl“ (gestorben 1862) von den Gästen geschätzt, die sich über seine Grobheiten amüsierten. Ein anderer Sonderling war Ernst Graf (1813 bis 1866), ebenfalls ein Schankwirt in der Webergasse, der wegen seiner frappierenden Ähnlichkeit mit Napoleon I. für dessen und der Gräfin Kielmannsegge Sohn gehalten wurde und mit seinen vergeblichen Bemühungen, dies aktenkundig zu machen, Aufsehen erregte.
Weitere Volkstypen waren „der Husar“, der „Redenarr Hausschild“, der schwachsinnige Sohn des Schneidermeisters Frisch von der Breitegasse sowie „Kikeriki“, ein seltsames, verwahrlostes Individuum am Kuttelhof in der Gerbergasse, das zum Gaudium der Straßenjugend selbsterjagte Ratten mit Haut und Haaren verschlungen haben soll. Zu den letzten Altdresdner Originalen gehörten um die Jahrhundertwende der ehemalige Schornsteinfeger E. Pechmann, der sich als „berühmter Dresdner Jodler“ bezeichnete sowie der langjährige Dienstmann Friedrich August Haase (Standort an der Struvestraße) und - mit ständig tropfender bläulicher Adlernase - der Dienstmann Emil Weise mit Standort an der Seestraße.