Fürstenzug

zu den bekanntesten Dresdner Sehenswürdigkeiten zählender Wandfries aus Meißner Porzellankacheln an der Nordwand des Langen Ganges am Stallhof (Augustusstraße). Das von Wilhelm Walther geschaffene Werk symbolisiert die Geschichte der Mark Meißen und später Sachsens seit 1089 in der Wiedergabe der Regenten des Hauses Wettin. Auf einem angedeuteten Teppich sind 35 Fürsten in historisch detailgetreuer Ausstattung in anderthalbfacher Lebensgröße hoch zu Ross dargestellt, angeführt von Konrad von Wettin, Markgraf von Meißen (gestorben 1157) bis zu Georg, König von Sachsen (1832 bis 1904), begleitet von Herolden und Fußvolk. Dem „Zuge der Fürsten in Treue folgend“ schließen sich Zeitgenossen des Künstlers an. Dem letzten König folgt als Grenadier Georg von Vitzthum, dem sich weitere Militärs aus sächsischen Adelsgeschlechtern anschließen (von Metzradt, von Nostitz, von Posern, von Lüttichau).

Die Schlussgruppe wird von Vertretern des höheren Bildungswesens angeführt, dem Studenten Heinrich Gustav von Erdmannsdorf mit der Leipziger Universitätsfahne, dem Sohn des Künstlers Johannes W. (1855-1916, um 1884 bis 1913 Pfarrer in Löbtau) mit der Fahne der Kreuzschule und dem Freund von Johannes W.., dem Kreuzschüler Karl Adolf Wirthgen, mit der Fahne der Technischen Hochschule Dresden. In der Reihenfolge der Darstellung erkennt man weiterhin den Architekten Georg Hermann Nicolai, die Maler Karl Gottlieb Peschel (1798-1879) und Julius Hübner, die Bildhauer Johannes Schilling und Ernst Julius Hähnel zusammen mit Ludwig Richter, den Oberbibliothekar Ernst Wilhelm Förstemann (1822-1906) mit dem Vertreter des Innerministeriums Geheimrat Wiesner und dem Kunsthistoriker Hanns Adolf von Weissenbach (1847-1912). Hinter seinen Helfern, dem Zimmermann Kern und dem Maurer Pietsch schaut der Schöpfer des Fürstenzugs selbst hervor. Insgesamt enthält der Fries (957 m², 2,102 m lang, 7 m hoch) 45 Reiter, 48 Fußgänger, 19 Kandelaber, 45 Wappen sowie reichen ornamentalen Schmuck.

Die ursprüngliche Renaissancebemalung am Stallhof war im 19. Jahrhundert verschwunden, sodass man 1864 zur Gestaltung der kahlen Wand einen Wettbewerb ausgeschrieben hatte, aus dem 1868 Walther als Sieger mit einem Sgraffito-Entwurf hervorging, der die ursprüngliche Dekoration berücksichtigte.

Bis 1872 dauerten die Vorstudien für die Vorlagen des Künstlers, die er auf 4 m hohe und 10 m lange Kartons zeichnete.

Mittels Pausen brachte er die Zeichnungen auf die mit verschiedenen Kalkschichten versehene Wand und ritzte sie eigenhändig ein. Am 12. Juli 1876 wurde der Fürstenzug der Öffentlichkeit übergeben. Da der Kalk durch Umwelteinflüsse bereits um 1900 schadhaft wurde, übertrug man das Wandbild 1904/07 originalgetreu in Unterglasurmalerei auf 25.000 speziell vorbereitete Meißner Porzellankacheln, die bis Juli 1907 fugenlos in Zementmörtel eingesetzt wurden. Damit ist der Fürstenzug das größte Porzellanbild der Welt (1978/79 gründlich restauriert).

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