Arzt, geboren 26.10.1895 Wien, gestorben (ermordet) 8.5.1945 Dresden.
Nach dem Medizinstudium in Wien und Tübingen kam Fetscher 1922 als Assistent an die Technische Hochschule Dresden, wo er 1923 Privatdozent, 1925 Dozent für Hygiene am Pädagogischen Institut und 1928 außerordentlicher Professor wurde.
Mit seiner wissenschaftlichen Arbeit auf sozialhygienischem und erbbiologischem Gebiet erlangte er internationalen Ruf.
Seine Forschungsarbeit verband Fetscher mit praktischer Tätigkeit als Schularzt und in der Ehe- und Sexualberatungsstelle der Dresdner Ortskrankenkasse. Aus ethisch begründeter Ablehnung der nationalsozialistischen Rassenideologie stellte er ab 1933 seine erbbiologischen Forschungen ein und wurde von seinem Lehramt an der Technischen Hochschule entbunden. In der Christianstraße (jetzt St. Petersburger Straße) eröffnete er eine Privatpraxis, in der er vor allem Arbeitern und Widerstandskämpfern selbstlose Hilfe leistete.
Zugleich wurde seine Praxis zu einem ideal getarnten Treffpunkt des Widerstands, wo Fetscher auch wissenschaftliche Aufzeichnungen über die Folgen der Verbrechen an KZ-Häftlingen machte (im Februar 1945 mit der Zerstörung der Praxis vernichtet). Seine Pläne für die Neugestaltung des Gesundheitswesens in Dresden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs konnte Fetscher nicht mehr verwirklichen, denn als er am 8. Mai 1945 auf der Prager Straße als Parlamentär den sowjetischen Truppen entgegenging, wurde er von einer SS-Patrouille hinterrücks erschossen. Fetscher hatte seine Wohnung in Zschertnitz, Rungestraße 45. Seit 1974 verleiht die Stadt Dresden jährlich zum Tag des Gesundheitswesens für besondere Leistungen auf sozialhygienischem Gebiet den Fetscher-Preis.
Begraben auf dem Heidefriedhof, Fetscherstraße und Fetscherplatz in Johannstadt, Gedenkstein am Fetscherplatz.